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🇩🇪 LICHTERFELDE: EVOLVE- TEAM AUFS PODIUM – TROTZ PANNE, KETTENCHAOS UND KOPFSTEIN-HÖLLE

Aktualisiert: vor 3 Stunden

Shelly vom Evolve Team beim Lichterfelder Rundstreckenrennen– und ganz ehrlich: Das war kein lockerer Samstag. Reifenpanne schon auf dem Weg zum Start, Hektik bei der Nummernausgabe, Kopfsteinpflaster wie im Mini-Roubaix, Kette runter – und am Ende stehe ich als Zweite auf dem Podium.


Lichterfelder Rundstreckenrennen am 23.05.2026 . Sportvereinigung Zehlendorfer Eichhörnchen e.V.

Ein Rennen mit Berliner Radsport-DNA

Das Lichterfelder Rundstreckenrennen ist kein steriles Parkplatzrennen ohne Geschichte. Öffentlich auffindbare Ergebnisübersichten führen es als „Lichterfelder Rundstreckenrennen der Zehlendorfer Eichhörnchen“; 2025 gewann bei den Frauen bereits Stefanie Paul für das Wheel Divas Cycling Team vor Sam Sandten und Josephine Siebenbrock. Das zeigt: Dieses Rennen hat für uns als Wheel Divas schon vor meinem Start eine Verbindung. (Wikipedia)

Und auch der Name Zehlendorfer Eichhörnchen hat Gewicht im Berliner Radsport. Carsten Podlesch begann seine Laufbahn dort als Querfeldeinfahrer und wurde später Weltmeister im Steherrennen; auch Rainer Podlesch war Mitglied der SV Zehlendorfer Eichhörnchen und wurde zweimal Steher-Weltmeister. Das ist genau die Art Berliner Radsportboden, auf dem solche lokalen Rundstreckenrennen stehen: klein im Aufbau, aber groß in der Tradition. (Wikipedia)


Meine Anreise: Erst mal Reifenpanne – natürlich

Wir fahren mit dem Rad zum Rennen. Und direkt auf dem Weg dahin: Reifenpanne. Mein erster Gedanke ist ungefähr: „Dit geht ja schon mal wieder jut los.“ Trotzdem schaffen wir es rechtzeitig. Aber entspannt ist anders. An der Startnummernausgabe steht eine Schlange, es wird spät, meine Partnerin hilft mir noch schnell mit den Nummern – und dann heißt es plötzlich: Der Start verzögert sich, weil vorher noch ein Laufradrennen für Kinder stattfindet.

Das ist in dem Moment irgendwie perfekt. Erst Stress, dann dieses total süße Kinder-Rennen, dann wieder Fokus. Genau so fühlt sich lokaler Radsport an: nicht glattgebügelt, sondern lebendig.

Der Kurs aus Sicht der Männer.

Der Kurs: 1,8 Kilometer Schmerz im Kreis

Der Rundkurs ist ungefähr 1,8 Kilometer lang. Es geht über Asphalt, Kopfsteinpflaster und richtig grobes Kopfsteinpflaster. Ich brauche ein bis zwei Runden, um meine Linie zu finden. Und diesmal sage ich mir ganz klar: Nicht wieder die Fehler machen wie beim Hasenrasen oder beim Airfield Race. Nicht zu früh raus. Nicht allein im Wind. Nicht hektisch werden. In der Gruppe bleiben. Fahren. Lernen.

Kriterien und Rundstreckenrennen sind genau dafür brutal: kurze Runde, viele Wiederholungen, jede Kurve kommt wieder, jeder Fehler kommt wieder – aber eben auch jede Chance.

Meine Stärke? Die Kurven. Genau da hole ich Zeit.

Relativ schnell merke ich: Meine Stärke liegt heute in den Kurven. Vor allem die letzte Passage vor der Zielgeraden ist heftig: großes Kopfsteinpflaster, scharfe Linkskurve, hohes Risiko. In den Rennen davor sind dort schon Leute gestürzt. Ich denke nur: Das sieht aus wie Paris-Roubaix.

Natürlich ist Lichterfelde nicht Roubaix. Aber dieses Rattern, dieses Springen, dieses Gefühl, dass Material und Körper gleichzeitig arbeiten müssen – das hat diesen rauen Klassiker-Charakter. Und genau da kann ich Zeit gutmachen. Das ist für mich die wichtigste sportliche Erkenntnis des Tages: Ich fahre nicht nur irgendwie mit. Ich erkenne, wo ich stark bin.


Kette runter – aber ich bleibe drin

Zwei- oder dreimal fliegt mir ausgerechnet in dieser kritischen Kurve die Kette runter. Das kann ein Rennen sofort kaputtmachen. Aber ich bekomme sie wieder drauf, bleibe ruhig, schalte weiter und verliere nicht komplett den Faden.

Zwischendurch sind auch Fahrer aus dem Jedermann-Feld mit im Frauenpulk. Das bringt Unruhe, weil es eng wird und manche das Tempo nicht halten. Irgendwann fahren sie raus – und dann ist wieder klarer, worum es geht: vorne bleiben, sauber fahren, keine Fehler machen.


Null auf der Tafel – und dann doch noch eine Runde

Kurz vor Schluss sehe ich die Tafel: Null. Ich höre den Kommentator, der meine Nummer und meinen Namen nennt. Für einen Moment denke ich: Das war’s. Ich will schon jubeln.

Dann sagen die anderen Mädels: „Nee, wir müssen noch eine Runde.“ Und ich denke nur: „Oh nein.“ Aber genau diese Runde ziehe ich durch. Keine Panik. Kein Aufgeben. Noch einmal Kopfsteinpflaster, noch einmal Kurve, noch einmal Zielgerade. Dann ist es wirklich vorbei – und ich werde Zweite.

Warum dieser zweite Platz für mich zählt

Dieser zweite Platz ist für mich nicht nur ein Ergebnis. Er ist ein Fortschritt. Ich komme nach einer Panne an, starte mit Zeitdruck, fahre einen technischen Kurs, habe Kettenprobleme, bleibe trotzdem im Rennen und mache diesmal genau das besser, was ich mir vorgenommen habe: ruhiger bleiben, Gruppe halten, Linie finden, Stärken nutzen.

Das ist aus meiner Sicht der eigentliche Wert. Nicht, dass alles perfekt läuft. Sondern dass ich trotz Fehlerquellen nicht auseinanderfalle. Ich merke: Da ist noch viel Luft nach oben – aber die Richtung stimmt.


Was bleibt

Das Lichterfelder Rundstreckenrennen ist für mich ein echtes Berliner Radsportstück: nah dran, technisch, rau, familiär und trotzdem ernst. Kinder auf Laufrädern, Jedermann-Starter, Frauenfeld, Kopfsteinpflaster, Kommentator, NADA-Kontrolle bei der Siegerin – alles drin.

Für mich bleibt am Ende ein sehr klares Gefühl: Ich bin stolz. Auf den zweiten Platz. Auf die Wheel Divas. Und darauf, dass ich diesmal nicht die alten Fehler wiederhole.

Lichterfelde tut weh. Aber Lichterfelde zeigt auch, dass ich wachse.



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