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🇵🇱 „Auf Krawall gebürstet!“ – Wheel Divas bei der Tour de Pologne

Aktualisiert: 30. Juli

Drei Etappen, 357,5 Kilometer und acht WorldTeams: Wir stehen bei der Tour de Pologne Women mit nur fünf Fahrerinnen zwischen Weltmeisterinnen, Grand-Tour-Siegerinnen und den stärksten Sprintzügen der Welt. Wir greifen an, lernen und bringen alle fünf Wheel Divas ins Ziel. Bei Eurosport heißt es über uns: „auf Krawall gebürstet“. Genau so fühlt sich diese Rundfahrt an.

2026 UEC TRACK DERNY & STAYER EUROPEAN CHAMPIONSHIPS. Romy Kasper Wheel Divas


Vier Jahre warten – dann stehen wir zwischen der Weltspitze

Vom 24. bis 26. Juli führt die 4. Tour de Pologne Women über Tomaszów Lubelski, Zamość, Włodawa, Lubartów, Janowiec und Lublin. Die Rundfahrt gehört 2026 erstmals zur UCI ProSeries – der zweithöchsten Rennklasse direkt unter der Women’s WorldTour. 19 Teams und 106 Fahrerinnen stehen am Start, darunter acht WorldTeams und auch Berlin ist vertreten.

Für uns ist allein die Einladung ein Erfolg. Wheel Divas bewirbt sich vier Jahre lang um einen Startplatz.

Tour de Pologne.  Inka Tulowitzki, Maddy Wasserbech,  Malin Bruhns, Dieke Hendriks, Jette Aelken v.l.n.r 📷 Andrzej-Gucwa
Inka Tulowitzki, Maddy Wasserbaech, Malin Bruhns, Dieke Hendriks, Jette Aelken v.l.n.r 📷 Andrzej-Gucwa

Rund 40 weitere Teams erhalten 2026 keine Zulassung. Jetzt sind wir dabei – als einziges deutsches UCI-Continental-Team in einem Feld, in dem die deutsch lizenzierten WorldTeams Canyon//SRAM und Lidl-Trek auf ganz anderen personellen und finanziellen Grundlagen arbeiten.

4. Tour de Pologne Women 2026 – Bericht vom Start des Rennens in Tomaszów Lubelski

Die Namen zeigen das Niveau: Lorena Wiebes, Lotte Kopecky, Elisa Balsamo, Chiara Consonni, Shirin van Anrooij, Gaia Realini, Clara Copponi und Lara Gillespie. Das ist kein Aufbauwettkampf. Das ist die Weltklasse kurz vor der Tour de France Femmes.


Die offizielle Startliste zeigt dann nicht mehr, Romy Kasper und Stephanie Meder waren eingeplant. Beide müssen wegen privater Prioritäten absagen. Deshalb starten wir nicht mit sechs, sondern nur mit fünf Fahrerinnen: Jette Aelken, Inka Tulowitzki, Madeleine Wasserbaech, Malin Bruhns und ich.


Tag 1: Jette fährt auf Platz 13 – mitten in der Weltklasse

Die erste Etappe über 138,4 Kilometer endet im Regenchaos von Zamość. Lorena Wiebes gewinnt, ein Sturz im letzten Kilometer zerreißt das Finale. Jette bleibt ruhig, findet die richtige Position und fährt im offiziellen Etappenergebnis auf Platz 13 – zeitgleich mit der Siegerin. Durch Bonussekunden liegt sie anschließend im Gesamtklassement auf Rang 16 und nur 13 Sekunden hinter Wiebes.

highlight 1. Etappe Tour de Pologne

Malin, Maddy und Inka kommen gemeinsam mit 2:37 Minuten Rückstand ins Ziel.

Für mich wird der Auftakt härter: Ich verliere den Kontakt zum Hauptfeld, kämpfe mich aber bis ins Ziel und bleibe in der Rundfahrt. Aufgeben ist keine Option. Das ist der sichtbare Abstand zwischen einem schlechten Moment in einem ProSeries-Rennen und einer Weltspitze, die jeden Fehler sofort bestraft. Trotzdem bleibe ich im Rennen. Aufgeben ist keine Option.

🇵🇱 Tour de Pologne 1. Etappe Highlight

„Auf Krawall gebürstet“ – Eurosport sieht, wie wir fahren

Während der Eurosport-Berichterstattung zur Tour de France würdigte Rolf Aldag die Wheel Divas als „auf Krawall gebürstet“ – für ihre mutige, offensive Fahrweise.

Während der paralle laufenden Tour de France würdigt Rolf Aldag bei Eurosport unsere Fahrweise. Die Wheel Divas seien „auf Krawall gebürstet“ – ausdrücklich im positiven sportlichen Sinn: Wir attackieren, fahren mutig, machen Rennen und verbinden diese Offensive mit Ergebnissen.

Diese Beschreibung trifft Polen ziemlich genau. Wir sind nicht eingeladen, um uns drei Tage im Feld zu verstecken. Wir wollen sehen, was möglich ist. Manchmal gelingt es, manchmal werden wir sofort gestellt. Aber wir probieren es.


Tag 2: Maddy und ich versuchen den Sprung

Auf der zweiten Etappe von Włodawa nach Lubartów kontrollieren die WorldTeams das Rennen.

🇵🇱 Tour de Pologne 2. Etappe Highlight

Maddy und ich setzen aus dem Verfolgerfeld nach und versuchen den Brückenschlag zur Spitzengruppe.


Wir kommen zunächst weg, doch das Verfolgerfeld organisiert sich und stellt uns wieder. Später wollen wir Jette für den Sprint nach vorn bringen, doch unser Zug funktioniert noch nicht so, wie wir ihn brauchen. Trotzdem erreichen laut offiziellem Etappenergebnis  alle fünf Wheel Divas das Ziel mit der Zeit der Siegerin.


Egal wie das Ergebnis zu bewerten ist- Taktik erlernen wir nicht im Training. Das lernen wir nur gegen Teams, die solche Abläufe jede Woche fahren!


Tag 3: Noch einmal attackieren – und alle fünf kommen durch

Auf dem Weg nach Lublin unternimmt Malin einen Ausreißversuch, kann sich aber nicht entscheidend absetzen. Auch ich greife an und bin für einen kurzen Moment vor dem Feld, bevor die WorldTeams die Lücke schließen und mich wieder stellen. Viel Raum lassen sie uns an diesem Tag nicht. Die WorldTeams lassen wenig Raum. SD Worx-Protime kontrolliert für Wiebes, Lidl-Trek positioniert Balsamo, UAE arbeitet für Gillespie. Im Finalergebnis der dritten Etappe fährt Jette auf Platz 50 mit der Siegerinnenzeit. Maddy, Inka und Malin folgen nur 25 Sekunden später; ich komme mit 33 Sekunden Rückstand ins Ziel.

Wheel Divas Teampräsentation im polnischen Fernsehen und u.a. youtube

Damit beenden alle fünf gestarteten Wheel Divas die komplette Rundfahrt. Bei einem ProSeries-Rennen mit einer personell reduzierten Mannschaft ist das kein Nebensatz. Es ist ein Nachweis für Belastbarkeit, Teamarbeit und Lernfähigkeit.

Die nackten Zahlen – und was sie wirklich bedeuten

Fahrerin

Gesamt

Abstand / Status

Einordnung

Jette Aelken

32.

+0:36

Platz 13 auf Etappe 1; zweimal mit Siegerinnenzeit

Madeleine Wasserbaech

84.

+3:38

19 Jahre; Brückenschlag mit Dieke auf Etappe 2 und drei Zielankünfte

Malin Bruhns

85.

+3:38

Ausreißversuch auf Etappe 3; alle drei Etappen beendet; nur 25 Sekunden auf Etappe 3

Inka Tulowitzki

87.

+3:38

Stabilisiert das Team; arbeitet für Jette und das Finale

Dieke Hendriks

106.

+18:13

Nach schwerem Auftakt durchgekämpft; kurzer Ausreißversuch auf Etappe 3; Etappe 3 nur +0:33

Jette fehlen am Ende 36 Sekunden. Maddy, Malin und Inka liegen 3:38 Minuten zurück. Für mich beginnt die Rundfahrt mit einem schweren Auftakt, danach stabilisiere ich mich und beende auch die dritte Etappe nur 33 Sekunden hinter der Siegerin.

Sportlich liegen vier von uns nach 357,5 Kilometern nur wenige Minuten hinter der besten Sprinterin der Welt.


Lorena Wiebes gewinnt alle drei Etappen und die Gesamtwertung in 8:24:08 Stunden.

Jette fehlen am Ende 36 Sekunden. Maddy, Malin und Inka liegen 3:38 Minuten zurück. Ich verliere Minuten – fast alles davon am ersten Tag.

Sportlich liegen vier von uns nach 357,5 Kilometern nur wenige Minuten hinter der besten Sprinterin der Welt.

Strukturell liegen zwischen uns dennoch Welten: WorldTour-Teams arbeiten mit Vollzeitpersonal, großen Budgets und eingespielten Spezialistinnen. Wir fahren UCI-Continental, tragen die Organisation ehrenamtlich und werden alternativ weder vom Berliner Radsportverband, noch vom Land Berlin bei der Umsetzung der Regionalen Zielvereinbarung unterstützt. Und selbst das ist bei den Männern anders.


Ohne diesen Staff gibt es keinen Erfolg

Unser Staff arbeitet in dieser Besetzung zum ersten Mal zusammen: Paul Rölz als 1. Sportlicher Leiter; Philipp Tutzschke als Helfer und 2. Sportlicher Leiter; Andreas Buchheim als Helfer, 2. Sportlicher Leiter und Sponsorenkoordinator; Tim Krause als Mechaniker und Mitarbeiter des Zweirad-Center Stadler Berlin sowie Arnd Bruhns als weiterer Helfer.

Diese Mannschaft verdient Respekt und Anerkennung. Philipp hilft uns mit seiner eigenen Erfahrung als Continental-Fahrer über Funk durch die Rennen. Paul führt sportlich. Andreas hält Organisation und Abläufe zusammen. Tim sorgt dafür, dass das Material funktioniert. Dazu kommen Flaschen, Funk, Verpflegung, Akkreditierungen, Hotels, Transfers und mehr als 1.600 Reisekilometer. Auf der Straße fahren fünf Frauen. Hinter ihnen arbeitet ein Team, ohne das kein Ergebnis möglich ist.


Warum dieses Rennen uns auch in der Bundesliga besser macht

Die Tour de Pologne zeigt uns in drei Tagen, woran wir sonst einen halben Saisonblock arbeiten. Wir sehen, wie früh WorldTour-Teams Positionen besetzen, wie ruhig sie in chaotischen Finals bleiben und wie konsequent sie jede Lücke schließen. Dieses Wissen nehmen wir mit in die Bundesliga: bessere Kommunikation, klarere Rollen, schnellere Entscheidungen und ein belastbarerer Sprintzug.

Genau deshalb sind solche Starts so wichtig. Es geht nicht nur um UCI-Punkte. Es geht um Leistungsniveau. Wer regelmäßig gegen Wiebes, Kopecky, Balsamo oder Consonni fährt, erlebt Geschwindigkeit, Druck und Rennintelligenz in einer anderen Dimension. Danach fühlen sich nationale Rennen nicht leichter an – aber lesbarer.

Tour de Pologne.  Inka Tulowitzki, Maddy Wasserbech,  Malin Bruhns, Dieke Hendriks, Jette Aelken v.l.n.r 📷 Andrzej-Gucwa

Millionenpublikum und ein Startplatz mit hohem Wert

Die Veranstaltung wird 2026 über TVP Sport, Eurosport und HBO Max verbreitet. Der Veranstalter spricht vorab von einer Reichweite von Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern in Polen und weltweit. Belastbare Einschaltquoten für 2026 liegen unmittelbar nach dem Rennen noch nicht vor. Als Größenordnung dient das Vorjahr: Die Tour de Pologne Women 2025 erreichte nach Veranstalterangaben Millionen Fans und einen Medienwert von 73 Millionen Złoty.

Ich spüre diesen Wert direkt: viele Menschen an den Strecken, starke Zielorte, Medienaufmerksamkeit und eine Organisation, die den Fahrerinnen mit Leidenschaft und Respekt begegnet. Für Wheel Divas ist diese Bühne sportlich und kommunikativ größer als ein normales Rennen. Nach vier Jahren Bewerbung stehen wir endlich darauf – und wir nutzen sie.


Fazit: Wir sind nicht zum Zuschauen hier

Wir gewinnen keine Etappe. Wir bauen noch keinen perfekten Sprintzug. Unsere Attacken und der versuchte Brückenschlag werden gestellt. Und trotzdem ist diese Tour ein Erfolg: Jette fährt auf Platz 13, alle fünf Fahrerinnen beenden alle drei Etappen, wir greifen an und wir lernen schneller als in jedem Trainingslager.

Rolf Aldags Satz bleibt hängen: Wheel Divas sind „auf Krawall gebürstet“. Das ist keine Pose. Es ist unser Auftrag. Wir wollen Rennen nicht nur überstehen. Wir wollen sie mitgestalten – auch dann, wenn die Gegnerinnen Weltmeisterinnen sind.



Wheel Divas überlassen nichts dem Zufall


Marken des Wheel Divas Cycling Team und des Vereins

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