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263 Rad-Kilometer für den Frieden – mein Tag bei unserem Nuclearban Marathon Berlin-Brandenburg

Aktualisiert: vor 5 Tagen

Regen zum Start, Sonne über Brandenburg, rund 50 Menschen auf Rennrädern und eine Botschaft, die weit über den Sport hinausgeht: Ich war bei unserem Nuclearban Marathon 2026 dabei. 263 Kilometer von Berlin über Seelow und Frankfurt (Oder) zurück zum Roten Rathaus – und ein Tag, der mir noch lange im Kopf bleiben wird.


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Regenjacke an – und los

Samstagmorgen. Der Wecker hatte eindeutig zu früh geklingelt.

Gegen 6:45 Uhr machten wir uns auf den Weg. Natürlich in Regenjacken, denn der Wetterbericht hatte ziemlich unmissverständlich angekündigt, was uns erwarten könnte: Regen. Viel Regen. Und vor uns lagen 263 Kilometer.

Kurz nach sieben kamen wir an der Berliner Internationalen Psychoanalytischen Universität an. Fahrräder abstellen, Startnummern suchen, Sachen sortieren, Rucksack im Begleitfahrzeug verstauen – langsam füllte sich der Hof mit immer mehr Radfahrenden.

Dann kam ein älterer Herr auf uns zu, musterte uns und unsere Rennräder und meinte: „Ah, ihr seid also die schnellen Damen. Ihr seid endlich da.“ Bei unseren Rädern musste er dann gleich noch einmal nachfragen: Das seien also unsere „Hightech-Bikes“?Ich musste grinsen. Der Tag fing gut an.

Wheel Divas beim Nuclearban Marathon Berlin-Brandenburg 2026 für eine Welt ohne Atomwaffen Foto: Julius Päske
Nuclearban Marathon Berlin-Brandenburg 2026 für eine Welt ohne Atomwaffen. 📷 Julius Päske (Wheel Divas)

Was wir da vorhatten, war allerdings kein Radrennen. Der Nuclearban Marathon Berlin-Brandenburg ist ausdrücklich eine Fahrraddemonstration für eine atomwaffenfreie Welt. 2026 fand die Berliner Ausgabe zum dritten Mal statt. Wheel Divas unterstützen den Gedanken und die Veranstaltung mit Personal und Logistik. Gefahren wird gemeinsam im geschlossenen Verband. Die Polizei begleitet das Peloton, sichert Kreuzungen und den Verkehr und sorgt dafür, dass die Gruppe zusammenbleiben kann.


Veranstalter ist die Friedenswerkstatt Mutlangen und der Kooperationspartner sind WfF Berlin-Brandenburg und wir, das Wheel Divas Cycling Team. Unterstützt wird die Initiative unter anderem von ICAN Deutschland, IPPNW Deutschland und Ohne Rüstung Leben. (icanw.de)

Wheel Divas beim Nuclearban Marathon Berlin-Brandenburg 2026 für eine Welt ohne Atomwaffen Foto: Julius Päske
Nuclearban Marathon Berlin-Brandenburg 2026 -erster Halt am Brandenburger Tor. 📷 Julius Päske (Wheel Divas)

Mit Polizeikolonne Richtung Brandenburg

Um 7:30 Uhr ging es los. Die offizielle Route führte zunächst zum Brandenburger Tor und anschließend hinaus Richtung Brandenburg. Der Regen war noch da – aber glücklicherweise nicht lange. Nach und nach wurde es trockener und die Fahrt deutlich angenehmer.

Was mich von Anfang an beeindruckte, war die Polizeibegleitung. Motorräder fuhren voraus, Kreuzungen wurden gesichert, danach ging es wieder weiter. So konnten wir mit der ganzen Gruppe sehr gleichmäßig fahren.

Wheel Divas beim Nuclearban Marathon Berlin-Brandenburg 2026 für eine Welt ohne Atomwaffen Foto: Julius Päske
Nuclearban Marathon Berlin-Brandenburg 2026 - Sightseeing für einen guten Zweck. 📷 Julius Päske (Wheel Divas)

Beim Wechsel von der Berliner zur Brandenburger Polizei gab es einen kurzen Halt.

Für mich kam der genau richtig. Ich musste nämlich inzwischen dringend auf Toilette. Nur: großer Parkplatz, weit und breit kaum eine geeignete Ecke. Also sprinteten wir drei Frauen einmal quer über den Platz. Sagen wir es so: Ungefähr 600 Watt für eine Pinkelpause waren wahrscheinlich nicht Bestandteil des offiziellen Streckenplans. Aber notwendig.


Wheel Divas beim Nuclearban Marathon Berlin-Brandenburg 2026 für eine Welt ohne Atomwaffen Foto: Julius Päske
Nuclearban Marathon Berlin-Brandenburg 2026 - volle Strassensperrung für uns 📷 Julius Päske (Wheel Divas)

Seelow: Sonne, Kaffee und der ernste Hintergrund unserer Fahrt

Nach 77 Kilometern erreichten wir das Rathaus in Seelow und wurden von Bürgermeister Robert Nitz herzlich begrüsst. Der Regen war inzwischen Geschichte. Es gab Sonne, Kaffee, Kuchen, Brezeln und Getränke. Wir füllten unsere Flaschen auf, redeten miteinander und hörten die Ansprache vor Ort. (Pressehütte Mutlangen)


Gerade Seelow macht deutlich, warum die Route nicht zufällig gewählt wurde. Die Region um die Seelower Höhen ist eng mit den letzten schweren Kämpfen des Zweiten Weltkriegs 1945 verbunden. Der Nuclearban Marathon führt bewusst durch historisch geprägte Orte und verbindet diese Erinnerung mit der Forderung nach Frieden und nuklearer Abrüstung. (Pressehütte Mutlangen)

Auf dem Fahrrad funktionierte die Gruppe inzwischen richtig gut. Das Tempo passte, die Sonne kam immer wieder heraus und wir konnten die Kilometer gemeinsam wegfahren.

Wheel Divas beim Nuclearban Marathon Berlin-Brandenburg 2026 für eine Welt ohne Atomwaffen Foto: Julius Päske
Nuclearban Marathon Berlin-Brandenburg 2026 auf dem Weg nach Frankfurt (Oder). 📷 Julius Päske (Wheel Divas)
Wheel Divas beim Nuclearban Marathon Berlin-Brandenburg 2026 für eine Welt ohne Atomwaffen Foto: Julius Päske
Nuclearban Marathon Berlin-Brandenburg 2026 auf em Weg nach Frankfurt 📷 Julius Päske (Wheel Divas)

Frankfurt (Oder): Hier wurde aus einer langen Radtour mehr

Bei Kilometer 136 erreichten wir Frankfurt (Oder). Zuerst hielten wir oben auf der Stadtbrücke (Grenzbrücke oder Most Graniczny). Großes Gruppenfoto, Blick über die Oder nach Polen. Danach ging es zum Rathaus.

Für mich war das einer der eindrucksvollsten Momente des Tages. Wir wurden empfangen, bekamen Kartoffelsuppe und Getränke, es gab Musik und Ansprachen. Und plötzlich ging es nicht mehr um Beine, Kilometer oder Geschwindigkeit.

Es ging um Hiroshima und Nagasaki. Um die Folgen von Atomwaffen. Und darum, warum sich so etwas niemals wiederholen darf. Da wurde mir noch einmal sehr deutlich: Wir fahren heute nicht einfach nur 263 Kilometer Rennrad. Wir fahren für eine Botschaft.

Wheel Divas beim Nuclearban Marathon Berlin-Brandenburg 2026 für eine Welt ohne Atomwaffen Foto: Julius Päske
Nuclearban Marathon Berlin-Brandenburg 2026 für eine Welt ohne Atomwaffen. 📷 Julius Päske (Wheel Divas)

Auch die Wahl von Frankfurt (Oder) ist bewusst: Die Stadt steht gemeinsam mit dem unmittelbar gegenüberliegenden Słubice für eine Verbindung über Grenzen hinweg und wurde vom Veranstalter ausdrücklich als Symbol für Frieden und Völkerverständigung gewählt. (Pressehütte Mutlangen)

Der Hintergrund ist aktuell: Der UN-Atomwaffenverbotsvertrag wurde 2017 beschlossen und trat am 22. Januar 2021 in Kraft. Ende August 2026 zählt die UN 95 Unterzeichnerstaaten und 75 Vertragsparteien. Deutschland gehört bislang nicht zu den Vertragsstaaten. (United Nations Treaty Collection)

Wheel Divas beim Nuclearban Marathon Berlin-Brandenburg 2026 für eine Welt ohne Atomwaffen Foto: Julius Päske
Nuclearban Marathon Berlin-Brandenburg 2026 auf em Weg nach Fürstenwalde /Königs-Wusterhausen 📷 Julius Päske
Wheel Divas beim Nuclearban Marathon Berlin-Brandenburg 2026 für eine Welt ohne Atomwaffen Foto: Julius Päske
Nuclearban Marathon Berlin-Brandenburg 2026 auf em Weg nach Fürstenwalde /Königs-Wusterhausen 📷 Julius Päske

Fürstenwalde – und mein Lieblingsstopp in Königs Wusterhausen

Nach Frankfurt ging es zurück Richtung Berlin. Nächste Station: Fürstenwalde bei Kilometer 183. Kaffee, Kuchen, kurze Ansprache, Flaschen auffüllen – dann wieder aufs Rad.Und schließlich

Wheel Divas beim Nuclearban Marathon Berlin-Brandenburg 2026 für eine Welt ohne Atomwaffen Foto: Julius Päske
Nuclearban Marathon Berlin-Brandenburg 2026 in Fürstenwalde 📷 Julius Päske


Königs Wusterhausen, Kilometer 223. Mein Lieblingsstopp. Wir kamen mit Polizeibegleitung auf das Schlossgelände gefahren und dort war richtig aufgedeckt: belegte Brötchen, Käse, Wurst, Räucherlachs, Bruschetta, gekühlte Getränke – und wer wollte, konnte sogar ein Glas Sekt oder Prosecco nehmen.

Nach mehr als 200 Kilometern fühlte sich das ziemlich luxuriös an.

Vor dem Schloss entstand noch ein großes Gruppenfoto. Es wurde gesprochen, gelacht und natürlich wieder gegessen.

Wheel Divas beim Nuclearban Marathon Berlin-Brandenburg 2026 für eine Welt ohne Atomwaffen Foto: Julius Päske
Nuclearban Marathon Berlin-Brandenburg 2026 im Schloss Königs-Wusterhausen 📷 Julius Päske (Wheel Divas)

Auch politisch passte dieser Halt sehr gut zur Tour: Königs Wusterhausen gehört seit 2017 dem internationalen Netzwerk Mayors for Peace an. Bürgermeisterin Michaela Wiezorek war 2026 sogar Schirmherrin des Nuclearban Marathons. Dass sie uns bei der Einfahrt nicht selbst begrüßte, hatte einen einfachen Grund: Parallel nahm sie an der Bürgermeisterregatta teil und verpasste deshalb unsere Ankunft. (Koenigs Wusterhausen)

Wheel Divas beim Nuclearban Marathon Berlin-Brandenburg 2026 für eine Welt ohne Atomwaffen Foto: Julius Päske
Nuclearban Marathon Berlin-Brandenburg 2026 Team Wheel Divas Evolve 📷 Julius Päske (Wheel Divas)

Mit dem Peloton am BER vorbei

Dann kam die letzte Etappe. Für uns wurde es noch einmal besonders, denn wir fuhren am BER entlang – eigentlich fast Heimterrain. Nur normalerweise fährt man dort eben nicht mit einem großen Peloton und Polizeikolonne.

An der Start- und Landebahn standen Autos und Motorräder, Menschen beobachteten die Flugzeuge – und plötzlich kamen wir vorbei. Viele schauten ziemlich erstaunt.

Genau solche Momente zeigen für mich, wie eine Fahrraddemonstration funktioniert: Menschen sehen das Feld, drehen sich um und fragen sich vielleicht, wer da unterwegs ist und warum.

Später ging es durch Neukölln über den Hermannplatz. Wieder dieselben Blicke. Wieder diese besondere Situation, gemeinsam durch die Stadt zu rollen, während die Polizei den Weg sicherte.

Wheel Divas beim Nuclearban Marathon Berlin-Brandenburg 2026 für eine Welt ohne Atomwaffen Foto: Julius Päske
Nuclearban Marathon Berlin-Brandenburg 2026 zurück in Berlin 📷 Julius Päske (Wheel Divas)

263 Kilometer später: Rotes Rathaus

Unser Ziel war das Rote Rathaus. Dort kamen wir gemeinsam an. Der Veranstalter bedankte sich bei den Organisatorinnen und Organisatoren, bei uns Teilnehmenden und ausdrücklich auch bei der Polizei, die uns über den ganzen Tag sicher begleitet hatte.

Und dann fiel ein Satz, den ich mir gemerkt habe:

Wenn im nächsten Jahr jede Person noch jemanden mitbringt, wären wir schon mehr als 100.

Das wäre schön.

Wheel Divas beim Nuclearban Marathon Berlin-Brandenburg 2026 für eine Welt ohne Atomwaffen Foto: Julius Päske
Nuclearban Marathon Berlin-Brandenburg 2026 zurück in Berlin 📷 Julius Päske (Wheel Divas)

Denn mein stärkster Eindruck von diesem Tag sind nicht nur die 263 Kilometer.

Es sind die Menschen in den Orten, die uns zugewunken und angefeuert haben. Die Kinder am Straßenrand, die ihre Hände ausgestreckt haben und unbedingt mit uns abklatschen wollten. Die Gespräche bei den Stopps. Die gemeinsame Fahrt. Die vielen Menschen, die dafür gesorgt haben, dass diese Veranstaltung funktioniert.

Und natürlich diese besondere Verbindung aus Radsport, Gemeinschaft und einer gesellschaftlichen Botschaft.

  • Roland Blach (Organisator) zufrieden mit der Veranstaltung
  • Julius Päske, Hans-Günter Päske, Christine Mähler, Hagen Rottke (Wheel Divas)

Der Nuclearban Marathon hat mir gezeigt, dass Rennradfahren mehr sein kann als Wattwerte, Durchschnittsgeschwindigkeit und Ergebnisse. Man kann mit einem Fahrrad auch Aufmerksamkeit erzeugen. Man kann Menschen zusammenbringen.

Und man kann gemeinsam 263 Kilometer zurücklegen, um für etwas einzustehen. Mein Fazit?

Ich bin immer noch positiv beeindruckt. Und wenn wir nächstes Jahr wieder starten: Ich bin dabei

Über die Straße hinaus: Reichweite für unsere Botschaft

Was mich besonders gefreut hat: Unsere 263 Kilometer waren nicht nur auf der Straße sichtbar. Der Nuclearban Marathon wurde bereits im Vorfeld über Organisationen wie IPPNW und Ohne Rüstung Leben, den Berliner Radsport sowie kommunale Kanäle in Frankfurt (Oder) verbreitet. Damit erreichte die Botschaft Menschen weit über das eigentliche Peloton hinaus. (Frankfurt (Oder)).


Besonders schön fand ich die ausführliche Folge #159 des Podcasts „Bikers Paradise“: Martin Gertz und Alex Hüfner sprechen dort mit Cheforganisator Roland Blach über die Entstehung des Nuclearban Marathons, die Idee hinter „260 Kilometern für den Frieden“ und darüber, warum Radsport Menschen und gesellschaftliche Themen verbinden kann.

Auch die Wheel Divas werden ausdrücklich als wichtiger Partner in Berlin genannt.

Die rund 35-minütige Folge ist über verschiedene große Podcast-Plattformen verfügbar und verlängert damit die Reichweite der Tour weit über den Veranstaltungstag hinaus. (Bikers Paradise)


Genau darin liegt für mich die Stärke der Veranstaltung: Wir erzeugen Aufmerksamkeit auf der Straße – und Medien, Podcasts und unsere Partner tragen die Botschaft anschließend weiter.


Der Dank geht an das gesamte Orga Team u.a. an


Weitere Fotos dann hier zur freien Nutzung nur, wenn Verweis, Link auf Urheber Julius Päske.


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