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🇨🇿 GRACIA-HAMMER IN TSCHECHIEN! DIVAS MIT ETAPPENSIEG, CRASH-CHAOS – UND FAHREN SICH IN EUROPA FEST

Aktualisiert: vor 2 Tagen


Fünf Tage, 425,7 Kilometer, Berge, Zeitfahren, Massensprints, Stürze, Defekte, Etappensieg – und ein Feld, das für uns im ersten Jahr als UCI Women’s Continental Team ein echter Realitätscheck ist. Ich komme aus der Gracia Orlová zurück und sage klar: Das war kein „Vorbereitungsrennen“. Das war Europa-Labor, Härtetest und Teamprüfung in einem.

Steinfurt, Lila Logistik Bundesliga, Frauenradsport, Wheel Divas, Berliner Radsportverband , Berliner Radsportverein, gleiche Teilhabe, Weltanschauung, Gleichberechtigung, weiblicher Radsport 2025
UCI 2.2  Women Elite

Gracia Orlová: klein im Namen, groß im Wert

Wenn man noch nie von der Gracia Orlová gehört hat, kann man sie schnell unterschätzen. Sollte man aber nicht. Das Rennen ist ein internationales Frauen-Etappenrennen in Tschechien, 2026 als UCI WE 2.2 geführt, in der 38. Auflage ausgetragen und über insgesamt 425,7 Kilometer angesetzt. Der Kurs führt durch den mährisch-schlesischen und den Zliner Raum, aufgeteilt in drei Etappen und zwei Halbetappen. Zugelassen sind laut Ausschreibung unter anderem UCI Women’s ProTeams, UCI Women’s Continental Teams, Cyclocross-Pro-Teams, Nationalteams, Regionalteams, Club- und Mixteams. (graciaorlova.cz)

Heißt übersetzt: Hier kommt nicht irgendein Feld zusammen. Hier stehen Nationalteams, starke Continental-Strukturen, Entwicklungsteams aus dem WorldTour-Umfeld und Fahrerinnen mit internationaler Erfahrung am Start. Für uns als Wheel Divas, im ersten CTW-Jahr, ist das genau die Art Rennen, die weh tut – aber die man fahren muss, wenn man wachsen will.

Inka TULOWITZKI, Stephanie MEDER, Malin BRUHNS, WASSERBAECH Madeleine, GLONING Paula, Fenja GERPOTT Gracia Orlova 2026
Inka TULOWITZKI, Stephanie MEDER, Malin BRUHNS, WASSERBAECH Madeleine, GLONING Paula, Fenja GERPOTT

Das Feld: Nationalteams, CTW-Power und WorldTour-Nachwuchs

Die Start- und Ergebnislisten sprechen eine klare Sprache: CANYON//SRAM zondacrypto Generation, Mat Atom Deweloper Wrocław, Nexetis, Rembe | rad-net women, National Belgian Cycling Team, Swedish National Team, Norway national team, Ukraine National Team, Polish National Team, Dukla Women Cycling, Tirol Women Cycling, LKT-Team – das ist kein nettes Dorffeld, sondern ein internationales Prüfbecken. Schon auf der ersten Etappe stehen 151 Fahrerinnen in den Ergebnisdaten; 145 werden klassiert.

Besonders wichtig: Mit CANYON//SRAM zondacrypto Generation steht ein offizielles Entwicklungsteam aus dem Umfeld eines Women’s WorldTeams im Feld. Canyon beschreibt das Generation-Team als Nachwuchsstruktur, die Talente an die Spitze des Frauenradsports heranführen soll; zu den Development-Fahrerinnen zählen unter anderem Emily Dixon, Jule Märkl, Joëlle Messemer und Awen Roberts. (Canyon Newsroom)

Dazu kommen Fahrerinnen mit großem Namen und großem Niveau: Kristýna Zemanová, starke tschechische Cross-Spezialistin mit Weltcup-Podium 2026; Lena Charlotte Reißner, Olympiateilnehmerin auf der Bahn 2024; Nina Kessler, erfahrene niederländische Profi-Fahrerin; dazu Nationalfahrerinnen aus Belgien, Schweden, Norwegen, Polen, der Ukraine und Israel. (iDNES)

Für uns heißt das: Jeder Meter zählt. Jede Lücke zählt. Jeder Defekt kostet. Und jede Minute im Feld ist Ausbildung.


Anreise: kalt, lang – aber die Stimmung stimmt

Wir starten am Mittwoch frĂĽh, mit langer Anfahrt, guter Stimmung im Bus und einem kleinen Extra: Wir feiern auch noch Geburtstag. Mit dabei

  • WASSERBAECH Madeleine

  • MEDER Stephanie

  • GERPOTT Fenja

  • TULOWITZKI Inka

  • GLONING Paula

  • BRUHNS Malin

Unsere Sportliche Leitung ist diesmal die Chefin Sina Päske höchstselbst.

Als wir ankommen, drehen wir noch eine kleine Runde auf dem Rad. Es ist kalt. Richtig kalt. Kurz denke ich: Wenn das die nächsten Tage so bleibt, wird das hart. Aber genau dafür sind wir da. Wir testen die Zeitfahrräder an, sortieren Material und stellen uns auf vier Tage ein, in denen nichts geschenkt wird.

Etappe 1: Hektik, Radwechsel, Crashs – und Steffi fast auf dem Podium

Die erste Etappe führt von Orlová nach Štramberk über 98,9 Kilometer. Offiziell wird sie mit 38,9 km/h Schnitt gefahren. Schon das sagt: Dieses Rennen rollt nicht gemütlich an. Es geht direkt schnell, hektisch, eng los und das auf mehr als 1.200 Höhenmeter.

Bei uns wird es früh unruhig. Inka muss das Rad wechseln. Ich warte mit und fahre sie durch die Wagenkolonne wieder zurück ins Feld. Danach kommen Stürze, so viele, dass das Rennen zeitweise kollektiv gestoppt wird. Maddy liegt auch einmal am Boden, ihr Sattel ist beschädigt, aber zum Glück passiert nichts Schlimmeres. Das Finale wird dann komplett hektisch. Position halten, ohne Risiko zu nehmen, ist fast unmöglich.

Und dann kommt der erste dicke Wheel-Divas-Moment: Stefanie Meder wird Vierte. Sie investiert auf den letzten Kilometern viel, attackiert noch einmal, wird im Fotofinish knapp übersprintet – aber Platz vier bei dieser Konkurrenz ist ein Brett. Die Etappe gewinnt Emily Dixon von CANYON//SRAM zondacrypto Generation; Steffi ist direkt dahinter mitten in der europäischen Spitze. Inka wird 57., ich komme auf Platz 80, Malin auf 87., Maddy auf 110., Paula auf 121.

Etappe 2: Pustevny wird zur Prüfung – und Paula fährt wie eine Teamkollegin, die man braucht

Die zweite Etappe ist die Königsetappe: Třinec – Pustevny, 115,7 Kilometer, Bergankunft, drei Sprintwertungen, drei Bergwertungen. Der Schnitt liegt bei 35,3 km/h – für dieses Profil und über 2.000 Höhenmeter brutal genug.

Als Team reden wir an diesem Tag deutlich besser. Wir helfen uns, bauen uns auf, arbeiten mehr miteinander. Aber wir crashen auch miteinander. Erst geht Steffi zu Boden, dann wartet Paula und bringt sie durch die Autokolonne wieder zurück. Für Steffi ist das die erste echte Erfahrung mit der Kolonne – und ausgerechnet Paula, die Jüngste, erklärt ihr, wie es funktioniert. Später gibt es noch einmal einen Domino-Sturz, bei dem unter anderem ich, Malin und Steffi betroffen sind. Malin hat zusätzlich einen Reifenschaden. Wieder hilft Paula. Wieder kommen wir zurück. Genau das ist Teamarbeit, die in keiner Ergebnisliste steht.

Am Ende wird der Schlussanstieg hart gefahren. Wir haben zu viele Körner in Stürze und Rückkehraktionen investiert. Trotzdem: Steffi wird Neunte, Inka 41., ich 44., Malin 77., Maddy 119. Paula kommt nach großem Dienst für das Team nicht ins Ziel. Malin holt bei der ersten Sprintwertung sogar einen Punkt.

Stephanie Meder (Wheel DIvas) gewinnt das Einzelzeitfahren bei der Gracia Orlova.
Stephanie Meder (Wheel DIvas) gewinnt das Einzelzeitfahren bei der Gracia Orlova.

Etappe 3: Zeitfahren – und dann explodiert Steffi

Am Samstagmorgen steht das Einzelzeitfahren an: 13,5 Kilometer Havířov – Ostrava – Havířov, offiziell mit 46,2 km/h Siegerinnenschnitt. Zeitfahren ist brutal ehrlich. Keine Verstecke. Keine Gruppe. Kein Windschatten. Nur Beine, Position, Material und Kopf.

Und dann passiert etwas, das man nicht planen kann: Steffi gewinnt die Etappe. Ihr erstes Zeitfahren. Erstes Mal Disc.

Und dann UCI-Etappensieg. Sie fährt 17:32,93 Minuten und schlägt Jasmin Liechti um 0,65 Sekunden. Inka fährt ebenfalls ein starkes Zeitfahren und wird Neunte. Damit haben wir zwei Fahrerinnen in den Top 10. Ich werde 66., Maddy 64., Malin 114.

Radsport-News nennt das später völlig zurecht einen perfekten ersten Zeitfahr-Auftritt von Steffi. Für uns ist das mehr als ein Etappensieg. Es ist ein Signal: Die Wheel Divas können auf UCI-Niveau nicht nur überleben – sie können gewinnen.

Etappe 4: Bohumín – Bahnschienen, Stürze, Massensprint

Nach dem Zeitfahren bleibt kaum Zeit zum Feiern. Am selben Nachmittag folgt Etappe vier: 96 Kilometer in Bohumín, sechs Runden, mit einem Schnitt von 41,5 km/h. Die Strecke ist schnell, aber nervös. Besonders die Bahnübergänge werden zum Problem. Es wird gebremst, gezuckt, gestürzt. Für mich endet eine Situation wieder am Boden. Kette runter, kurz schwarz gesehen, dann sortieren, aufstehen, Pausti kommt angerannt, setzt mich wieder aufs Rad – und ich fahre zurück.

Irgendwann treffe ich Inka, die nach einem Radwechsel ebenfalls zurückmuss. Das beruhigt. Inka ist in solchen Momenten eine Maschine. Wir fahren zurück, Steffi ist auch wieder da, und am Ende läuft alles auf einen Massensprint hinaus. Die Etappe gewinnt Erja Giulia Bianchi von CANYON//SRAM zondacrypto Generation.

Für uns zählt an diesem Nachmittag vor allem: Wir bleiben im Rennen, wir verlieren nichts Entscheidendes, wir überstehen den Tag.


Etappe 5: letzter Tag, volle Nerven – und wieder Teamarbeit

Die letzte Etappe geht über 101,6 Kilometer rund um Orlová, acht Runden, 37,7 km/h Schnitt. Auf dem Papier klingt das kontrollierbar. Auf der Straße ist es Chaos. Viele Attacken. Viele Stürze. Viele Fahrerinnen, die nicht mehr ins Ziel kommen. Die offizielle Liste weist für diese Etappe 28 DNF bei 122 Teilnehmerinnen aus. Das ist fast ein Viertel des Feldes.

Im Liveticker aus dem Auto kommt immer wieder dieselbe Botschaft: Hauptfeld zusammen, Attacken, Breakaway, wieder gestellt, Crash – keine Wheel Divas. Malin und Maddy kämpfen hinten, fahren in Gruppen weiter und kommen beide ins Ziel. Vorne bleiben Inka, Steffi und ich im Feld. Steffi muss noch einmal das Rad wechseln, Inka wartet und bringt sie mit klaren Ansagen über die Wagenkolonne zurück. Chapeau. Das war richtig stark.

Wir sind an den entscheidenden Stellen da, schließen Lücken und bleiben im Rennen. Am Ende fehlt uns etwas Aggressivität nach vorn, vielleicht auch wegen der vielen Stürze der Tage zuvor. Ich werde in der letzten Runde an einer Spitzkehre noch unsauber abgedrängt und verliere Positionen. Das ärgert mich. Aber wir bringen das Ding nach Hause. Inka wird 37., Steffi 49., ich 67., Malin 89., Maddy 92. Die Etappe gewinnt Sofia Ungerová.

Das Endergebnis: Platz 4 im GC – und neuntbestes Team

Am Ende gewinnt Jasmin Liechti die Gesamtwertung. FĂĽr uns aber steht ein Resultat, das man richtig einordnen muss: Stefanie Meder wird Vierte im Gesamtklassement, nur 1:02 Minuten hinter Gelb. Inka wird starke 25., ich werde 48., Malin 81., Maddy 90.

Fahrerin

Jahrgang

Nation

Status / Einordnung

Stephanie „Steffi“ Meder

1995

GER

beendet die Rundfahrt als 4. der Gesamtwertung, gewinnt das Einzelzeitfahren und wird 8. der Punktewertung sowie 10. der Bergwertung.

Inka Tulowitzki

1997

GER

beendet die Rundfahrt als 25. der Gesamtwertung; starkes Zeitfahren als 9. der Etappe.

Fenja Gerpott

1993

GER

beendet die Rundfahrt als 48. der Gesamtwertung.

Malin Bruhns

2004

GER

beendet die Rundfahrt als 81. der Gesamtwertung und sammelt einen Punkt in der Punktewertung.

Madeleine Wasserbaech / „Maddy“

2007

AUS

beendet die Rundfahrt als 90. der Gesamtwertung und wird in der U23-Wertung geführt.

Paula Gloning

2007

GER

startet für Wheel Divas, beendet die Rundfahrt aber nicht; sie wird auf Etappe 2 als DNF geführt.

In der Punktewertung wird Steffi Achte, in der Bergwertung Zehnte. Malin taucht mit ihrem Sprintpunkt ebenfalls in der Punktewertung auf.

Und dann kommt die Teamwertung: Wheel Divas Cycling Team Platz 9 von 22 Teams.

Vor uns stehen Rembe | rad-net women, CANYON//SRAM zondacrypto Generation, VIF Cycling Team, Nexetis, Mat Atom, das belgische Nationalteam, TKK Pacific und Tirol Women Cycling. Hinter uns: unter anderem Ukraine National Team, KDM-Pack, LKT-Team, Born to Win BTC City Ljubljana, Smurfit Westrock, Polish National Team, Meridian Bikebug und Norway National Team. Der Rückstand auf die beste Teamzeit beträgt nur 5:01 Minuten über die gesamte Rundfahrt.

FĂĽr ein Team im ersten CTW-Jahr ist das keine nette Randnotiz. Das ist sportlich wertvoll.


Warum diese Rundfahrt fĂĽr die Bundesliga wichtig ist

Die Frauen- und Juniorinnen-Rad-Bundesliga startet 2026 Mitte Mai in Waldbuch; und genau deshalb ist die Gracia Orlová so wichtig. Bundesliga-Rennen entscheiden sich nicht nur über Beine. Sie entscheiden sich über Kommunikation, Positionierung, Defektmanagement, Nachfahren, Rollenverteilung, Stressresistenz und die Frage, ob ein Team auch dann funktioniert, wenn der Plan längst kaputt ist.

Wir haben in Tschechien alles bekommen, was man vor einem Bundesliga-Block braucht: BergankĂĽnfte, hohes Tempo, Zeitfahren, Massensprint, StĂĽrze, Wagenkolonne, Radwechsel, LĂĽcken schlieĂźen, defensive Momente, offensive Momente und echte Teamkrisen im Rennen. Das ist kein Training, das man simulieren kann. Das muss man erleben.


Mein Fazit als Fenja

Ich fahre aus Tschechien mit blauen Flecken, Ärger über manche Situationen – aber auch mit einem sehr klaren Gefühl zurück: Wir sind als Team gewachsen.

Maddy war neu dabei. Steffi war neu dabei. Romy war nicht dabei. Wir mussten uns finden. Wir mussten reden. Wir mussten einander helfen. Und wir haben es geschafft. Steffi gewinnt ein UCI-Zeitfahren und wird Vierte im Gesamtklassement. Inka fährt wie eine Kapitänin, wenn es brennt. Malin punktet im Sprint und kämpft bis zum Ende. Maddy fährt ihre Rundfahrt durch. Paula leistet Dienste, die man nicht in Ergebnissen sieht. Ich selbst nehme mit, dass ich in den entscheidenden Momenten noch offensiver fahren will – aber auch, dass ich nach Crashs und Chaos wieder zurückkomme.

Die Gracia Orlová war hart. Nervös. Manchmal unfair. Oft chaotisch. Aber sie war genau richtig.

Denn wer in der Bundesliga vorn fahren will, darf vorher nicht weich vorbereitet sein. Man muss solche Rennen fahren. Man muss dort Fehler machen, lernen, zurĂĽckkommen und trotzdem liefern. Genau das haben wir getan.


Der Dank gilt dem Team als Ganzes, Sina als Sportdirektor, dem Mechaniker Pausti ( David Paustian) der GroĂźartiges leistete und den Helfern wie u.a. Arndt Bruhns.


Wheel Divas ĂĽberlassen nichts dem Zufall


Marken des Wheel Divas Cycling Team und des Vereins

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