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Christine Mähler- Danke für 20 Jahre

Aktualisiert: 17. Mai 2022

Es gibt im Berliner Radsport feste Größen: Dieter Stein und Christine Mähler. Christine Mähler hört nun auf, bricht die Brücken ab: der Radsportverband und das Berliner Kollegium der Kommissäre verlieren ein wesentliche Säule. Christine baut neue auf, gesundet und das wieder mit einem Lächeln.

 Christine Mähler |  Arne Mill | Wheel Divas | Frauenradsport | Berlin | Radsportverein | gleiche Teilhabe | Diversität | Gleichberechtigung
Startschuss Rente für Christine Mähler 📷 Arne Mill

Ich habe lange überlegt, wie ein solcher Blogbeitrag begonnen werden sollte, wie ich ihn schreibe. Wie sagt man Danke? Wie zollt man Tribut für die vielen Jahren? Wie bewertet man die turbolenten letzten 3 Jahre? Darf man Ursachen oder Krankheiten erwähnen? Kann eine persönliche Note mit dabei sein?


Beginnen wir mit einem Zitat von Aldous Huxley:


Erfahrung ist nicht das, was einem zustößt.

Erfahrung ist das, was man aus dem macht,

was einem zustößt


Christine hat nicht viel, aber sie besitzt einen reichen Schatz: Erfahrung. Erfahrung vor allem mit Menschen, mit vielen vom Radsport und noch mehr mit jenen vom Berliner Radsport. Alle 16 Persönlichkeitstypen sind vertreten. Christine ist pragmatisch, geht praktisch an die Frage der ihr gegenübersitzenden Persönlichkeit heran. Cui bono, fragt sie sich und meint: Wem zum Vorteil? Es ist die Frage nach dem Nutznießer von Ereignissen oder Handlungen. So sortierte sie, auch aus.



Sie lernte schnell, welche Charaktereigenschaften für Erfolg wichtig sind: Dominanz, Initiative, Stetigkeit und Gewissenhaftigkeit. Christine hatte auch zu lernen, um was es vor allem immer mehr nicht geht: Um Kinder, Nachwuchs und Erfolg. Die Vorstände kamen und gingen. Sie wurden in Mengen von den nahezu immer denselben Vereinen platziert, sie traten zurück, wurden abgewählt, auch häufig von denselben. Christines Arbeitsumfeld war die letzte 10 Jahren geprägt von Unruhe.


Fünf Jahre fürchtete ich Christines unbestechliche technische Überprüfungen beim Zeitfahren, übte mich in Geduld bei ihren Erklärungen als Leiterin der Geschäftsstelle. 2019 wurde ich zum Schatzmeister gewählt, nicht von Christine. Wir mochten uns nicht. Es blieb einzig, ihr Vertrauen in der täglichen Arbeit für den Berliner Radsport zu gewinnen. Es glang: Der Vorstand 2019 änderte radikal die Arbeitsweise, nahm ihr nun viel Verantwortung ab, verlagerte sie wieder zurück an den Vorstand, er arbeitete hart und sehr erfolgreich. Ich weiß, die Sicht auf diese Jahre ist unterschiedlich, unsere Zahlen sprechen ihre eigene Sprache. Christine arbeitete ab 2019 nach klaren Auf- und Vorgaben, erledigte diese mit hoher Präzision. Sie meinte einmal: „Ich habe wieder einen Schatzmeister“, ich schmunzel heute darüber. Sie ist wissbegierig, lernt schnell und ist häufig emotional wie eine Sinuskurve und jedenfalls ein Teamplayer. Sie nutzte jede Gelegenheit zur Wissensmehrung, stellte Fragen um Fragen, z.B. um eingeführte Neuerungen gerade im IT- Bereich zu verstehen.

Mit der täglichen Arbeit im BRV lernte ich eine andere Christine kennen: Eine verletzliche, konsequente, lösungsorientierte, harmoniebedürftige, fair- denkende, eine mit Liebe zu klaren und offenen Regeln und eine die sich für alles in Verantwortung sah, vor allem wenn es um die Kinder ging. Eine, die an Ungerechtigkeit, mangelnder Höflichkeit lange leidet. Ich hatte ihre Personalakte zu lesen. Sie war dünn, Ausdruck von wenig Beachtung aller Vorstände. Die moralische wie finanzielle Entlohnung wurde ihrem Engangement nicht gerecht.


Am 31.02.2021 jubilierte Christine mit 50 Jahre Mitglied im Deutschen Radsport-Verband der DDR (DRSV und dann in Folge Bund Deutscher Radfahrer. Der BRV widmete ihr 14.02.21 einen Blogbeitrag.


2021 trat mit mir wieder einmal ein gesamter Vorstand zurück: die nüchterne Bestandsaufnahme, das ehrliche Spiegelbild und die Umsetzung der Mängelbeseitigung waren vielen ein Dorn im Auge. Zu „unruhig“, die „Art und Weise“, die Dominanz bei der Durchsetzung neuer Wege hin zum Erfolg war dem alten Establishment nicht angenehm. Veränderungen gegen Beständigkeit und zwischen drin: Christine.


Es folgte eine neue Vorstandsriege. Es häuften sich die Dissonanzen, es mündete in einer gerichtlichen Auseinandersetzung. Ein Pyrrhussieg. Christine wurde krank. Ein kleiner Kreis Getreuer halfen bei der Heilung, ob nun mit Kontakten zu Ärzten oder Gesprächen, Telefonaten, Spaziergängen oder nur mit Anwesenheit. Kognitiver Abstand, keine negative Kommunikation waren die Gebote der Stunde. In Unkenntnis dieser Sachlage gab´s viel Gerede. Das tat nicht gut.


Nun ist Christine Rentnerin. Sie ist „eine nicht mehr erwerbstätige Person, die ihren Lebensunterhalt aus einer Rente bezieht“. Sie bleibt dem Radsport erhalten, er ist ihr Astrerix- Zaubertrank. Sie ist lokal wie national bestens informiert, zieht nun eine Lizenz als Kommissär in Nordrhein- Westfalen. Sie kann Dinge tun, muss es nicht mehr. Sie hat das Wandern für sich entdeckt, gesundet mit jedem gelaufenden Meter Abstand zum Berliner Radsport. Loslassen können, das ist Freiheit.

Am 11.05.22 wird Christine unter einem Vorwand eingeladen. Sie ahnt nichts, genießt ein paar Stunden die ersten warmen Sonnenstrahlen auf der Hollywood- Schaukel. Gäste erscheinen, unerwartet. Ihre Augen werden feucht, bekommt Wangenrot, genießt jede Umarmung und die Danksagungen, sie versucht die Contenance zu wahren. Die Gäste sagten Dankeschön für knapp 20 Jahre Arbeit für den Berliner Radsport. Danke für Deine Geduld, Deinen Arbeitseinsatz zu oft über die vereinbarten Wochenstunden hinaus, Danke für die vielen Tips, Danke auch für die Möglichkeit, dass ich beweisen konnte: Du hast mich zu Unrecht nicht gewählt.


Liebe Christine, ich weiß so gut wie nichts aus Deinem Leben, von 17 von knapp 20 Jahren beim Berliner Radsportverband. Und ich frage mich: Ist das wichtig? Ich hatte das Glück, konnte mit Dir 2 erfolgreiche Jahre gemeinsam bestreiten. Es geht weiter. Das ist wichtig. Unsere Wege werden sich noch viele Jahre kreuzen. Das ist auch wichtig, ein Glück für mich.


Ich will Dir den Spruch von Sebastian Vettel mit geben: „You can't change what happened. But you can still change what will happen.




Danke an Arne Mill für das Foto, Stefan Meiners | Polyprint GmbH für das Geschenk, Danke an Iduna Groger und meine Frau Sina Päske für die Orga und allen Gratulanten.

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